Eine normale (akustische) Geige kann in einem Konzertsaal ganz wunderbar klingen. Ihre reichhaltige Obertonreihe trifft dort mit der guten Akkustik des Konzertsaals, zumindest aber mit dem Nachhall im Saal zusammen und auch der Lautstärkenbereich des Geigenklanges wird am Ort an dem sich das Publikum befindet typischer Weise als ideal empfunden.

 

Warum könnte aber dennoch eine elektrische Geige (e-Geige) für dich interessant sein?

 

Die aller meiste Zeit spielt jemand der Geige spielt nun mal nicht in einem Konzertsaal sondern in ganz normalen im Vergleich zu einem Konzertsaal sehr kleinen und für die Ausbreitung des Geigenklanges eigentlich eher ungünstigen Räumen (Wohnzimmer mit Polstermöbeln, Teppichen und Vorhängen…). Die normale Geige klingt dort vergleichsweise „laut“, „schrill“ und „trocken“. Stört dich nur das „laut“ und „schrill“, kannst du versuchen das mit einem geeigneten Dämpfer zu beheben den du dir auf den Steg klemmst. Es gibt z.B. Holzdämpfer die als Stilmittel in Orchestern eingesetzt werden. Diese dämpfen je nach Modell ca. 20 – 50% der Lautstärke deiner Geige und im Besonderen den als „schrill“ empfunden Obertonbereich. Daneben gibt es noch Übedämpfer aus Metall die deine Geige um ca 80% leiser machen können, also unter Gesprächslautstärke bringen können, z.B. für Leute die gerne in der Nacht üben oder sensible Nachbarn haben. Grundsätzlich stehst du hier vor der Aufgabe einen Dämpfer zu finden der das „laut“ und „schrill“ in einer dir passenden Weise und Gewichtung ändert. Stört dich nur das „trocken“ kannst du z.B. ein Kontaktmikrofon oder einen piezoelektrischer Tonabnehmer an deiner Geige anbringen, das Signal in einen Verstärker leiten und dort je nach Vorliebe Hall dazu einstellen. Natürlich wird deine Geige zusammen mit dieser Verstärkung lauter klingen als vorher. Möchtest du in deinem Überaum alle drei Effekte („laut“, „schrill“ und „trocken“) nicht haben solltest du zumindest für das dortige Üben an die Anschaffung einer e-Geige denken.

 

Eine e-Geige macht dich von der Akustik deines Spielortes unabhängig. Wo du auch gerade spielst kannst du dir damit sowohl den Hall als auch den Lautstärkebereich frei einstellen. Zusätzlich ist der Klangfarbenbereich der e-Geige in der Regel weicher bzw. weniger „schrill“, als jener einer herkömmlichen Geige nahe am Ohr.
Manche Geigenspieler – einschließlich mir selbst – sind von dieser Klangmöglichkeit für das tägliche Spielen geradezu begeistert. Zumindest als Abwechslung zur akustischen Geige. Fast unnötig zu erwähnen, dass auch mehr gespielt und geübt wird, wenn der Klang gefällt und die Fortschritte somit größere werden. Andere Geigenspieler wiederum finden den Klang einer akustischen Geige auch in normalen Wohnräumen durchaus schön bzw. finden es ’stilvoller‘ nach jahrhundertealter Tradition prinzipiell ohne Elektrizität zu spielen. Und zu welcher der beiden Gruppen gehörst du? Wenn du das nicht schon weisst helfen dir dabei vielleicht folgende beiden Klangbeispiele.

 

Klang einer normalen akustischen Geige in einem Wohnzimmer

 

 

 

ein möglicher Klang einer e-Geige in dem selben Wohnzimmer

 

 

Wichtig: Höre dir die beiden Klangbeispiele mit Kopfhörern an, über Lautsprecher klingt vor allem das Hörbeispiel für die akustische Geige verfälscht (Addition der Akustik meines Aufnahmeraumes und die deines Abspielraumes). Mit einer e-Geige lassen sich durch entsprechende Einstellungen am Verstärker (Basislautstärke, Stärke des Halls, Gewichtung zwischen Bass-, Mitten- und Höhenfrequenzen, Chorus Effekten und anderen Effekten) auch noch andere Klangbilder erzeugen.
Wenn dein Ohr das zweite Klangbeispiel als angenehmer als das erste – zumindest aber als eine angenehme Abwechslung zum ersten Hörbeispiel – empfindet, würde eine e-Geige vermutlich auch für dich Sinn machen. Bevor du dir eine eigene e-Geige kaufst, könntest du von der Möglichkeit Gebrauch machen dir bei mir eine e-Geige mit allem drum herum  gratis auszuborgen.
In deiner Geigenstunde kannst du gerne auch die e-Geige auf der ich meistens spiele ausprobieren.